Gemeinde Wilstedt

Homepage der Gemeinde Wilstedt anlässlich der 1150-Jahr-Feier im Jahre 2010


Gemeinde Wilstedt

Homepage der Gemeinde Wilstedt anlässlich der 1150-Jahr-Feier im Jahre 2010

Landwirtschaft früher und heute

von Georg Schnackenberg und Hermann Burfeind
in Zusammenarbeit mit Hermann Poppe

Vor etwa 50 bis 70 Jahren hatte der Bauer auf seinem Hof und auf den Feldern eine Vielzahl von Arbeiten zu erledigen, die sich im Laufe der Jahreszeiten wiederholten. Nachfolgend die wichtigsten Tätigkeiten, die von vielen Einwohnern unseres Ortes regelmäßig erledigt werden mussten.

Mistfahren

Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Mist ist des Bauern List. Der Misthaufen und die Jauchegrube sind die Spardose des Landwirts.“ Der Mist wurde im Winter in der Nähe des Stalls gestapelt, denn nur dann standen die Kühe im Stall, und gut festgetreten. Im Frühjahr wurde der Mist mit der Forke auf den von Pferden gezogenen Ackerwagen geladen und anschließend auf die Felder gefahren, auf denen Kartoffeln und Rüben wachsen sollten. Auf diesen Flächen wurde der Stallmist in kleinen Haufen abgeladen, mit der Forke gleichmäßig auseinander gestreut und anschließend mit dem Pferdegespann untergepflügt. Pferdemist wurde überwiegend auf dem Rübenland ausgebracht. Als dann die ersten Trecker mit Frontlader und die Miststreuer aufkamen, ging diese Arbeit wesentlich schneller und vor allem leichter. Die Jauche musste mit einer Handpumpe in das Jauchefass gepumpt werden. Erst später gab es dafür die elektrisch betriebene Jauchepumpe.

Pflügen und eggen

Pflügen und eggen mit zwei PS
Pflügen und eggen mit zwei PS
Pflügen und eggen mit zwei PS
Pflügen und eggen mit zwei PS

Eine gute Pflugfurche ist auch heute noch die Vorbedingung für eine gute Ernte. Hafer- und Gersteland wurden als Winterfurche gepflügt. Dabei kamen die Pferde meistens ins Schwitzen und mussten häufige Verschnaufpausen einlegen. Mit dem Trecker und einem Mehrscharpflug ging das Pflügen nicht nur leichter sondern auch wesentlich schneller. Wenn der Boden im Frühjahr abgetrocknet war, wurde zusätzlich Kunstdünger ausgesät. Der gemischte Dünger wurde in eine Säwanne geschaufelt und mit der Hand auf das Feld gesät. Auch hier verschaffte später der Düngerstreuer Erleichterung bei dieser Arbeit. Danach begann das Eggen und Grubbern. Damit der Boden locker und auch eben wurde, wurde kreuz und quer zur Ackerfurche geeggt.

Saat des Sommergetreides

Drillmaschine
Drillmaschine

Nachdem das Saatgut gereinigt und gebeizt war, ging es mit Pferdewagen und Drillmaschine auf das Feld. Hafer, Gerste, Sommerroggen und Gemenge wurden im Frühjahr gesät. Eine Person kontrollierte die Drillscharen hinter der Sämaschine und hielt sie offen („Piepen stechen“), falls sie sich einmal mit Erde zusetzten und verstopften.


Kartoffelpflanzen

Kartoffeln pflanzen aus einem um die Schultern gebundenen Sack
Kartoffeln pflanzen aus einem um die Schultern gebundenen Sack
Wenn das Feld vorbereitet war, wurden Pflanzlöcher in Reihen mit dem Löchermacher in den Acker gedrückt. Männer und auch Frauen trugen Säcke, Körbe oder Wannen gefüllt mit Pflanzkartoffeln. In jedes Loch legten sie eine Kartoffel und traten sie leicht fest. Die Reihen wurden anschließend mit dem Kartoffelpflug angefurcht. Später gab es das Vielfachgerät, danach die Pflanzmaschine, was die Arbeit wiederum erleichterte und beschleunigte.

Steckrüben

Die Steckrübensamen wurden breit ausgesät und leicht eingeeggt. Wenn die Pflanzen groß genug waren, wurden sie aufgezogen und zum Pflanzen mit auf das Feld genommen. Bei der anschließenden Vorbereitung des Pflanzackers wurde jede zweite Pflugfurche etwas tiefer gepflügt. Auf deren Kante wurden die kleinen Steckrübenpflanzen eingesetzt. Die Pflanzer gingen dabei in der Furche weiter, sodass sie sich nicht so tief bücken mussten. Bei dieser Arbeit waren immer mehrere Personen gleichzeitig im Einsatz, da nach jeder Pflanzrunde wieder gepflügt werden musste. Auch hier erleichterte in den Folgejahren eine Pflanzmaschine die Arbeit.

Runkelrüben

Runkelrübensamen wurden gedippelt, abgezogen, geigelt und gehackt. Bei der Ernte wurden die Rüben mit der Hand gezogen und in Reihen gelegt. Mit einem Spaten wurde das Blattwerk abgestochen. Die Rüben wurden in eine Miete gefahren, mit Stroh abgedeckt und so gegen Frost geschützt. Im Winter wurden die Rüben an das Vieh verfüttert.

Torfgraben

Willi Köster mit Torfkarre (1940)
Willi Köster mit Torfkarre (1940)
Willi Köster mit Torfkarre (1940)
Willi Köster mit Torfkarre (1940)
Wenn im Frühjahr die Äcker bestellt waren, ging es ins Moor zum Torfgraben. Diese Arbeit dauerte etwa zwei Wochen, dann war genug Feuerung für den Winter gegraben. Zunächst wurde die oberste Moorschicht abgeplaggt. Dann kerbten die Männer eine „Bank“ ein, schnitten die Soden mit dem Torfmesser durch Längs- und Querschnitten heraus und gaben sie nach oben. Dort luden Mägde und Knechte die feuchten Soden auf eine Karre oder eine Lore und brachten sie zur Trockenfläche. Immer acht Soden stapelten sie zu kleinen Ringeln auf. Nach ein paar Wochen wurden die Soden zu großen Ringeln aufgesetzt, damit sie besser trockneten. War der Torf trocken, wurde er mit Pferd und Wagen nach Hause gefahren und in der Torfscheune gelagert.

Heuernte

Ein Heuwender wendet das noch feuchte Gras
Ein Heuwender wendet das noch feuchte Gras

Beim Heuaufladen
Beim Heuaufladen
Beim Heuaufladen
Beim Heuaufladen

Das Gras wurde mit der von Pferden gezogenen Mähmaschine geschnitten und anschließend mit einer Holzharke gelockert und gewendet, später mit dem von Pferden gezogenen Heuwender (s. Foto). Abends wurde es zu Schwaden geharkt und in Ruken gesetzt. Am nächsten Morgen streute man es wieder auseinander, damit es weiter trocknen konnte. Das trockene Heu wurde mit der Forke auf einen Wagen geladen und zu Hause auf den Boden gestakt. In der kalten Jahreszeit wurde das Heu an das Vieh verfüttert. Bei unbeständigem Wetter setzte man es draußen auf Heureuter. Es gab verschiedene Lagermöglichkeiten. Heute wird aus dem frischen Gras fast nur noch Silo hergestellt.

Kornernte

Garben binden mit der Hand
Garben binden mit der Hand

Wenn das Korn die Gelbreife erreicht hatte, begann das Mähen. Zunächst wurde eine Reihe um das Feld herum mit der Sense frei gemäht als erste Spur für die Mähmaschine. Mehrere Helferinnen und Helfer waren nötig, um die gemähten Halme zu Garben zu binden. Am Ende wurden die einzelnen Garben in Reihen zu Hocken aufgestellt, damit das Korn besser trocknen konnte. War das Getreide trocken genug, wurden die Garben auf Wagen geladen, eingefahren und in der Scheune gelagert. Im Winter wurde gedroschen, wobei sich Nachbarn gegenseitig bei dieser Arbeit halfen.


Kartoffelernte

Ein Kartoffelroder schleuderte die Kartoffeln aus den angehäufelten Reihen auf das Feld. Nun mussten die einzelnen Sucher, denen jeweils ein Abschnitt zugewiesen war, die Knollen in Körbe sammeln. Diese Arbeit wurde normalerweise im Knien bewerkstelligt. War der Korb voll, wurden die Knollen in einen Sack entleert. Anschließend wurden die Kartoffeln draußen in winterfest abgedeckten Mieten oder in der Scheune gelagert. Später kam der Vorratsroder auf, der gleich zwei Reihen auf einmal aufnahm und die Kartoffeln in einer Reihe hinter dem Roder ablegte. Dadurch wurde das Sammeln erleichtert. Mit der Erfindung des Vollernters entfiel die zeitraubende Arbeit des Sammelns. Wenn der Kartoffeltank voll war, wurde sein Inhalt auf einen bereit stehenden Wagen gekippt und in der Scheune - mit Stroh abgedeckt - zwischengelagert. Das Sortieren übernahm die Sortiermaschine mit ihren nach Größe gestaffelten Sieben. Die Übergroßen behielt der Bauer als Viehfutter vorwiegend für die Schweine, nachdem sie vorher in der Dämpfanlage bei der Molkerei gedämpft worden waren. Die kleinen Kartoffeln wurden als Drillinge für das Pflanzen im kommenden Jahr aufbewahrt, und die „guten“ Kartoffeln wurden verkauft.

Hausschlachtung

Hausschlachtung
Hausschlachtung
Hausschlachtung
Hausschlachtung

Die meisten Bauern schlachteten im Spätherbst ein selbst gemästetes Schwein. Dieses wurde auf dem Hof vom Hausschlachter gleich verarbeitet zu Fleisch, Schinken, Wurst (Leberwurst, Rotwurst, Mettwurst, Sülze und Grützwurst). Die Mettwurst und der Schinken wurden im eigenen Rauchofen geräuchert und auf diese Weise für einen längeren Zeitraum haltbar gemacht.


Winter

Grete Schleßelmann am Spinnrad
Grete Schleßelmann am Spinnrad
Grete Schleßelmann am Spinnrad
Grete Schleßelmann am Spinnrad
Christa Ruschmeyer am Webstuhl
Christa Ruschmeyer am Webstuhl
Wenn die Tage kürzer und die Arbeiten auf Feld, Wiese und Wald weniger wurden, begann man mit der Bearbeitung des Flachses und der Wolle. An den langen, dunklen Winterabenden wurde gesponnen und gewebt. Stoffe für die Bekleidung (auch Tischdecken, Bettwäsche) wurden aus Leinen gewebt. Die Wolle der geschorenen Schafe wurde gesponnen und zu allerlei Strickwaren (Pullover, Unterwäsche, Strümpfe) gestrickt.

Tägliche Arbeiten auf dem Bauernhof

Frühmorgens begann der Tag mit dem Melken der Kühe mit den Händen. Das Futter der Kühe bestand aus Rüben, die vorher mit dem Rübenschneider zerkleinert worden waren. Die Messer des Rübenschneiders wurden mit der Hand gedreht. Zusätzlich zu den Rüben bekamen die Kühe noch Schrot, Heu, Stroh und Wasser. Außerdem mussten die Pferde gefüttert und getränkt werden. Das Tränken des Viehs erfolgte mit einer Wasserpumpe. Anschließend wurde ausgemistet, der frische Mist mit einer Karre auf den Misthaufen transportiert. Hühner und Schweine gefüttert, Schweinestall ausgemistet und neu gestreut, Eier gesucht, Torf geholt, Holz zerkleinert, Häcksel geschnitten, Hof gefegt. Die meisten dieser Arbeiten haben heute entsprechende Maschinen übernommen.

Landwirtschaft heute

Blick auf Wilstedt - Raiffeisen Siloturm
Blick auf Wilstedt - Raiffeisen Siloturm
Blick auf Wilstedt - Raiffeisen Siloturm
Blick auf Wilstedt - Raiffeisen Siloturm
Heutzutage gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe, diese sind aber wesentlich größer als früher. Der Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass die landwirtschaftlichen Produkte relativ günstig angeboten werden, sodass kleine Betriebe kaum noch Überlebenschancen haben. Ein Betrieb muss sich durch die erwirtschaftete Produktionsmenge am Leben erhalten. Der Zwang zur Vergrößerung und damit auch zur Spezialisierung, um optimal wirtschaften zu können, ist somit lebensnotwendig geworden. Hier sind einige Beispiele:

Milch- und Rindviehhaltung

Um einigermaßen rentabel zu wirtschaften, muss ein durchschnittlicher Betrieb zurzeit mindestens 100 Kühe halten, die wenigstens eine durchschnittliche Milchjahresleistung von 9000 kg bringen. Das ist gegenwärtig durch den züchterischen Fortschritt ohne gesundheitliche Probleme für die Tiere möglich. Nicht nur die Produktionszweige wurden optimiert, auch die Arbeitskräfte auf dem Betrieb und die Weiterentwicklung der Fütterungs- und Melktechnik. Auch baulich hat sich einiges geändert. Der Anbindestall wurde durch den Boxenlaufstall ersetzt mit entsprechendem Melkstand. Auch die Fütterung änderte sich und wurde mit Silogerät („Katze“) und Futterwagen durchgeführt.

Boxenlaufstall von Detlev Cordes
Boxenlaufstall von Detlev Cordes

Die intensive Grünlandwirtschaft und der Silomaisanbau stehen im direkten Zusammenhang. Das Grünland wird viermal jährlich als Silage geerntet. Diese Ernte wird vorwiegend von großen Lohnunternehmen durchgeführt, da diese Maschinen für den einzelnen Betrieb zu kostenintensiv sind. Das Grünland wird drei- bis viermal im Jahr mit der anfallenden Gülle der Kühe und Rinder gedüngt. Um die Energieversorgung für die Milchkühe sicher zu stellen, muss Silomais zusätzlich als Energielieferant angebaut und für die Biogasanlagen verwendet werden. Hier führt der Lohnunternehmer die komplette Bestellung und Ernte mit Spezialmaschinen durch.
In der Schweinemast ist es ähnlich. Die kleinen Betriebe geben wegen der Umweltauflagen und zu geringem Gewinn auf. Die größeren Betriebe haben immer Mastplätze und pachten sogar leer stehende Ställe dazu.

Getreide- und Kartoffelanbau

Ein Mähdrescher leert seinen Korntank
Ein Mähdrescher leert seinen Korntank
Ein Mähdrescher leert seinen Korntank
Ein Mähdrescher leert seinen Korntank
Der Getreideanbau in unserer Region lohnt sich nur dann, wenn das Korn im eigenen Betrieb verbraucht werden kann. Der Verkauf ist durch stark schwankende Preise nicht sinnvoll. Die Ernte wird häufig ebenfalls durch einen Lohnunternehmer durchgeführt, da die Anschaffung eines eigenen Mähdreschers wegen der damit verbundenen Kosten nicht rentabel ist. Die Erträge haben sich in den letzten 20 Jahren durch den Fortschritt in der Forschung und Züchtung nahezu verdoppelt. Bei Roggen sind es ca. 70 – 80 Doppelzentner auf einem Hektar.

Der Kartoffelanbau erstreckt sich vorwiegend auf Industriekartoffeln. Der Saatkartoffelanbau – früher für den Saatbauverein „Wilstedt-Rhader-Geest“ – hat an Bedeutung verloren. Speisekartoffeln werden heute vielerorts vom eigenen Verkaufsstand ab Hof oder an der Straße angeboten.

Biogasanlage Wilstedt
Biogasanlage Wilstedt

In der Entwicklung der Landwirtschaft vollzieht sich derzeit ein grundlegender Strukturwandel. Durch die Spezialisierung geht der Weg in Richtung Kooperation. Landwirtschaftliche Betriebe schließen sich zu immer größeren Einheiten zusammen, zu Betriebsgemeinschaften und GBR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Dazu zählen die Biogasanlagen. Mastbetriebe und die Milcherzeugung.

Laut Chronik zur 1100 Jahrfeier Wilstedts existierten

a) in den 30-er Jahren in Wilstedt:

7Großbetriebeüber 400 Morgen
19Mittelbetriebe150 – 400 Morgen
26Kleinbetriebe50 – 150 Morgen
80Nebenerwerbsbetriebe1 - 50 Morgen


b) in den Jahren 1939 bis 1945:

7Großbetriebeüber 400 Morgen
19Mittelbetriebe150 – 400 Morgen
25Kleinbetriebe50 – 150 Morgen
62Nebenerwerbsbetriebe1 - 50 Morgen


c) Nach dem Krieg hat sich die Entwicklung in der Landwirtschaft durch die zunehmende Industrialisierung grundlegend geändert. Die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie verbesserten sich, viele Wilstedter Bürger verdienten ihr Geld in den zunehmenden Industriebetrieben der umliegenden Städte.

20109 Vollerwerbs- und 4 Nebenerwerbsbetriebe 
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