Gemeinde Wilstedt

Homepage der Gemeinde Wilstedt anlässlich der 1150-Jahr-Feier im Jahre 2010


Gemeinde Wilstedt

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Wilstedt von 1945 bis 1960 (Teil 2)

von Johann Schröder, Bürgermeister von 1946 - 1976

Der 2. Weltkrieg hatte auch in unserer Gemeinde deutliche Spuren hinterlassen. Bei den harten Kämpfen um Wilstedt wurden Ende April 1945 13 Wohnhäuser und ebenso viele Wirtschaftsgebäude durch Brand oder Granaten vollkommen zerstört; außerdem wurde noch eine Vielzahl von Gebäuden stark oder leicht beschädigt. Ein Einwohner kam dabei ums Leben. Die Straßen und Fußwege wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass es für die Gemeinde große Aufbauarbeit zu leisten gab.

Die Einwohnerzahl, welche vor dem Kriege etwa 800, mit den Angehörigen des Arbeitsdienstes 950 betragen hatte, war durch Flüchtlinge und Evakuierte aus Bremen auf fast 1500 gestiegen. Nachdem auch das RAD-Lager von den damaligen Besatzungstruppen geräumt worden war, wurden uns noch mehr Familien aus anderen Dörfern, vor allem aus Brüttendorf, zugewiesen, so dass die Einwohnerzahl im Herbst 1945 weit über 1500 betrug.

Von den Straßen im Ort war die Straße auf der Loge durch Panzer und andere Raupenfahrzeuge am übelsten zugerichtet worden; sie war so holperig, dass die Milchkannen vom Wagen fielen. Sie wurde daher im Jahre 1947, also vor der Währungsreform, gründlich erneuert, verbreitert und mit Asphalt überzogen. Im nächsten Jahr, unmittelbar nach der Währungsreform, wurde auch das Anschlussstück zur Hauptstraße von Ellmers bis Brünings gepflastert. 1949 musste der Hydrant auf dem Löhberg durch eine Zisterne ersetzt werden, da der Löschwassermangel an diesem Dorfende zu schweren Folgen hätte führen können.

Ein anderes dringendes Anliegen war das Schulproblem. Die Zahl der Schulkinder war durch Evakuierte und den Flüchtlingsstrom aus dem Osten auf über 250 gestiegen. Anfangs standen nur die beiden alten Klassenräume zur Verfügung, doch wurden zusätzlich im Konfirmandensaal und im ehemaligen Jugendheim zwei Notklassen eingerichtet, so dass wohl vier Klassenräume, jedoch an drei verschiedenen Stellen, zur Verfügung standen. Die Gemeinde plante einen Anbau am alten Schulgebäude, stieß aber auf energischen Widerstand des damaligen Regierungsrates Corth, der uns dringend einen Schulneubau mit vier Klassen empfahl. Da aber die Gemeinde keine Schulgrundstücke besaß und auch zu dieser Zeit kein geeignetes Baugelände für den Schulneubau erwerben konnte, musste dieser Plan noch hinausgeschoben werden.

Der Gemeinderat wandte sich dann einem weiteren dringenden Problem zu, nämlich der Erneuerung und Verbreiterung der Straße Wilstedt - Bülstedt. Es war eine Straße der beiden Gemeinden, die sich zu einem Wegeverband Wilstedt-Bülstedt zusammengeschlossen hatten. Dieser Wegeverband ist vermutlich im Jahre 1905 beim ersten Bau dieser Straße gegründet worden. Der Anteil unserer Gemeinde betrug 40 v. H. und der Anteil der Gemeinde Alten- und Neuenbülstedt 60 v. H. In den Jahren 1950 bis 1953 wurde diese Straße, die 6,8 km lang ist, fast vollkommen erneuert, verbreitert und nach dem Ausbau dem Landkreis übergeben. Dieser Ausbau erforderte viel Geld und sehr viel Hand- und Spanndienste von beiden Gemeinden. Weil die laufenden Haushaltsmittel nicht ausreichten, mussten die Gemeinden noch drei Darlehen in Höhe von 73 000 DM aufnehmen, deren Tilgung und Verzinsung sich bis 1988 erstreckt.

Es muss erwähnt werden, dass diese Straße beim ersten Bau aus den Überschüssen unserer früheren Zweckverbandssparkasse in Wilstedt mitfinanziert wurde. Nach dem Zusammenschluss der Zweckverbandssparkassen zur Kreissparkasse standen uns diese Überschüsse bei der Erneuerung der Straße leider nicht mehr zur Verfügung. Die Gemeinden Wilstedt und Bülstedt gehörten zu den ersten Gemeinden des Kreises, die nach dem 2. Weltkrieg eine erhebliche Schuldenlast auf sich nahmen. Trotzdem freuen wir uns, dass wir den Ausbau bereits 1950 gewagt haben. Für die Hand- und Spanndienste standen uns damals noch bedeutend mehr Arbeitskräfte, darunter sogar Arbeitslose, zur Verfügung.

Zu den klassischen Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung gehören Schulbau, Straßenbau und Versorgungsanlagen. Gerade auf diesem Gebiet hatten viele Gemeinden in den letzten Jahrzehnten einen stürmisch wachsenden Nachholbedarf zu erfüllen, der schon nach dem ersten Weltkrieg stetig anwuchs. In den Notjahren 1929 bis 1934 war es kaum möglich, größere Bauvorhaben auszuführen, und als die wirtschaftliche Lage sich besserte, setzte der Ausbruch des 2. Weltkrieges der Verwirklichung notwendiger Projekte ein Ende.

Durch die Kriegsjahre angestauter Baubedarf wurde durch die vermehrte Einwohnerzahl gesteigert. Die Gemeinde Wilstedt erkannte und erfüllte die herandrängenden Aufgaben Zug um Zug.

Als Frau Else Schnackenberg der Gemeinde im Jahre 1951 ein geeignetes Schulgelände anbot, griff die Gemeinde zu und plante den notwendig gewordenen Schulneubau mit Lehrerhaus, Aula und Hausmeisterwohnung. Der Bau wurde im Rechnungsjahre 1952 begonnen und im Sommer 1953 fertig gestellt. Die anfangs mit geplante Turnhalle konnte wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht gleich erstellt werden. Der Bau wurde 1957/58 nachgeholt. Zur Finanzierung des Schulbaues musste ein Darlehn in Höhe von 40 000 DM aufgenommen werden, das heute bereits getilgt ist. Die gesamten Kosten betrugen 300 000 DM einschließlich Inventar. Die Baukosten der Turnhalle beliefen sich auf 118 000 DM. Diese sind bis auf ein zinsloses Darlehn des Landkreises in Höhe von 10 000 DM beglichen. Für beide Bauten erhielt die Gemeinde vom Kreis, dem Regierungsbezirk und dem Land Niedersachsen beträchtliche Zuschüsse, weil die Gemeinde ihre Steuerhebesätze bereits erheblich erhöht hatte. Mit diesen Bauten konnte die Gemeinde den wichtigsten Nachholbedarf befriedigen. Durch den Schulneubau war zwangsläufig auch der Ausbau der Straße zur Schule notwendig geworden; er wurde ebenfalls durchgeführt. 1950 haben wir auch die Straßenbeleuchtung, die durch Kriegseinwirkungen zerstört worden war, wieder instand gesetzt.

Nach der Fertigstellung der Schule erfolgte im Jahre 1954 der Umbau des alten Schulgebäudes für die Post und unser Gemeindeamt. Gleichzeitig wurde die alte Lehrerwohnung erneuert. Aus dem ehemaligen zweiten Klassenraum entstand eine Kalthausanlage, welche die erste derartige Anlage in unserem Kreise war. Nach diesem Umbau erfüllt das alte Schulhaus im Zentrum des Ortes eine bedeutsame Aufgabe. Gemeindeverwaltung, Post und Sparkasse liegen jetzt unmittelbar nebeneinander, wodurch sich Geschäftsabwicklungen sehr erleichtern.

Im Jahre 1955 errichtete die Gemeinde eine Ehrengedenkstätte für die Opfer beider Weltkriege auf dem Friedhof vor der Kirche.

Neben den Schul- und Straßenbauten förderte die Gemeinde den dringend notwendig gewordenen Wohnungsbau. Als eine der ersten Gemeinden des Kreises beschaffte sie schon vor der Währungsreform genügend Bauplätze für Bauwillige. 

Dies vollzog sich in der Weise, dass die Besitzer kleiner Grundstücke ihre Flächen auf dem Oppelkenberg abgaben und dafür andere Ackerflächen von größeren Besitzern wiedererhielten.

Somit wurden die einzeln stehenden Häuser an der Bülstedter und Vorwerker Straße zu einer geschlossenen Wohnsiedlung vereinigt.

Außer den bei Kriegsende abgebrannten und später wieder aufgebauten Gehöften wurden seit 1945 nicht weniger als 60 Wohnhäuser mit über 70 Wohnungen errichtet, so dass die Gemeinde Wilstedt seit fast zehn Jahren keine ernste Wohnungsnot mehr kennt.

Seit zwei Jahren läuft das Barackenräumungsprogramm in unserer Gemeinde, wodurch in einigen Monaten das frühere RAD-Lager geräumt und abgebrochen werden kann. Im Zuge dieser Maßnahme entstanden in der neuen Siedlung an der Schule 15 weitere Wohnhäuser.

So wie in fast allen Landgemeinden wanderten in den letzten zehn Jahren auch von Wilstedt zahlreiche Familien in die Industriegebiete ab. Dadurch sank die Einwohnerzahl von über 1500 im Jahre 1945 auf etwa 1150 im Jahre 1960. Allmählich erhöhte sich die Einwohnerzahl wieder. Der Tiefstand ist überwunden.

Ein großes Sorgenkind war nach dem Kriege außerdem die Straßenentwässerung. Erst 1956 konnte mit dem Ausbau der Bahnhofs- und Molkereistraße diese Sorge behoben werden. Die Ableitung des Wassers erfolgt in nördlicher Richtung zum Dubbengraben. Mit dieser etwa 700 m langen Kanalisationsleitung wurde der Anschluss an den Vorfluter erreicht. Damit war die Voraussetzung für den weiteren Ausbau und die Kanalisierung der Dorfstraße (Landstraße II. Ordnung) in den Jahren 1957/59 gegeben. Die Kanäle nehmen Regen- und Schmutzwasser auf. Besonders die Eigentümer kleinerer Hausgrundstücke inmitten des Ortes, die ihre Abwässer auf eigenem Grundstück nicht versickern lassen konnten, haben sich angeschlossen, nachdem sie die vorgeschriebenen Klärgruben erstellt hatten.

1957 begann darüber hinaus der Wirtschaftswegebau zunächst im Ortsteil Wilstedtermoor in einer Länge von fast 700 m. Damit ging ein lang gehegter Wunsch unserer Einwohner in Wilstedtermoor in Erfüllung. Weiterhin wurde die Straße nach Vorwerk verbreitert und teilweise erneuert. Dadurch konnte sie an den Landkreis abgegeben werden.

Um den Feuerschutz zu verstärken, erhielt die Freiwillige Feuerwehr im gleichen Jahre ein dringend notwendiges Löschfahrzeug mit Vorbaupumpe. In den Jahren 1958/59 erfolgte abschnittsweise der Ausbau des Dipshorner Weges. Von diesem sind jetzt 878 m befestigt und noch etwa 1200 m auszubauen. Die Gemeinde hofft, dass auch dieser Verbindungsweg nach seiner Fertigstellung vom Landkreis übernommen wird.

Die weiteren Pläne der Gemeinde sind der Ausbau des Verbindungsweges Wilstedt-Eickedorf sowie die Befestigung der Hauptfeldwege.

Alle Vorhaben der Gemeinde in den Jahren nach dem Kriege konnten nur durch die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Gemeindeverwaltung reibungslos verwirklicht werden. Alle Einwohner Wilstedts waren stets bereit, außergewöhnlich hohe Hand- und Spanndienste zu leisten. Nur durch diese erfreulichen Gemeinschaftsleistungen konnten der Wiederaufbau nach dem Kriege und die Verschönerung unseres Dorfbildes erfolgreich durchgeführt werden. In diesem Geiste wird die Gemeinde auch in Zukunft weiterarbeiten.

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