Gemeinde Wilstedt

Homepage der Gemeinde Wilstedt anlässlich der 1150-Jahr-Feier im Jahre 2010


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Wörpe Projekt Renaturierung

Projekt: Mehr Natur an der Wörpe

Wörpe bei Schnakenmühlen
Wörpe bei Schnakenmühlen
Seit dem Jahr 2000 bestimmt die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EG maßgeblich den Umgang mit dem Wasser: Danach sind Flüsse, Bäche und Seen bis zum Jahr 2015 in einen „guten ökologischen Zustand“ zu bringen. Ganz wichtig ist allen Akteuren, die Öffentlichkeit zu beteiligen. Das ist bei einem eher etwas sperrigen Thema wie einer Richtlinie nicht ganz leicht. Sehr oft, so auch im Einzugsgebiet der Wümme, sind Ziele und Maßnahmen der Wasserrahmenrichtlinie bis heute kaum bekannt. Dann ist es gut, wenn das, worum es geht, an ganz konkreten Beispielen anschaulich werden kann. Unser Projekt will das leisten, will anschaulich und greifbar machen, wie ein guter ökologischer Gewässerzustand aussieht. Zwei Beispielräume im Einzugsgebiet der Wümme haben wir dazu ausgewählt. Das Projekt leistet so einen wesentlichen Beitrag dazu, die Ziele der WRRL zu erreichen.

Projektmaßnahmen

Aufbau von örtlichen Projektteams für Gewässerentwicklung, Umweltbildung und Naturerleben

'bauliche’ Maßnahmen zur Verbesserung der

  • Gewässer- und Uferstruktur
  • Anlage von kiesigen Bachsohlen als Laichplätze für heimische Fischarten
  • Anlage von Kleingewässern, naturnahe Ufergestaltung

Einrichtung von Wassererlebnisbereichen
(Wasser erleben, Steine umdrehen, angeln, Wassertiere bestimmen)

Entwicklung von Lernorten außerhalb der Schulen

Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, auf den ökologischen Zustand in Bachtälern und Flussauen aufmerksam zu machen, über Gewässerökologie zu informieren, für einen „Guten Zustand“ zu werben und ihn beispielhaft umzusetzen.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie wird an der Oberen Wörpe greifbar ….

„Projektteam Obere Wörpe“

Seit April 2008 engagiert sich die BioS gemeinsam mit dem Fischerei- und Gewässerschutzverein Lilienthal (FuG) im Rahmen des Projekts „Projektteams für einen guten Zustand vor Ort“ an der Oberen Wörpe für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Schwerpunkte der Arbeit sind dabei die Planung und Umsetzung erster Maßnahmen zur Gewässerrenaturierung, die Umweltbildung und die Öffentlichkeitsarbeit.

Im vergangenen Jahr ist viel geschehen ….

Gewässerrenaturierung:

Auf der Laufstrecke zwischen Kirchtimke und Schnakenmühlen haben BioS und FuG seit Herbst letzten Jahres mehrere Pilotmaßnahmen zur Verbesserung der gewässerökologischen Situation durchführen können. Vorausgegangen waren viele Planungsgespräche mit dem Gewässer- und Landschaftspflegeverband (GLV), der Niedersächsischen Landesanstalt für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Wasserbehörde des Landkreises. Diese enge Kooperation hat sich als sehr hilfreich und konstruktiv erwiesen. Da die Wörpeniederung oberhalb von Wilstedt heute intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, die derzeitige Entwässerung gewährleistet und keine „fremden“ Flurstücke beeinträchtigt werden dürfen, sind den theoretisch möglichen Renaturierungsmaßnahmen enge Grenzen gesetzt, sofern nicht beidseitig des Gewässers breiter Raum zur Verfügung steht.

Konkret durchgeführt wurden bisher drei Maßnahmen:

Maßnahmen im vorhandenen Gewässerprofil:

Oberhalb von Schnakenmühlen sind nur verhältnismäßig schmale Uferrandstreifen vorhanden (im Eigentum des GLVs). Dennoch konnten in dem vorhandenen, geradlinig ausgebauten Kastenprofil mit sandiger Sohle im Herbst 2008 sehr effektive, strukturverbessernde Maßnahmen durchgeführt werden.
Nachdem große Anteile des instabilen Sandes entnommen worden waren, wurde das Mittelwasserprofil durch unregelmäßiges oder wechselseitiges Einbringen von Kiesbermen eingeengt, sodass der Fluss bei niedrigem und mittlerem Wasserstand als schmaleres Gewässer mit stärkerer Strömung mäandriert.
Die steilen Böschungen konnten zum größten Teil abgeflacht werden, um Erlenaufwuchs zu fördern. An ausgewählten Stellen wurden Erlenstubben in den Bach eingebracht.

Remäandrierung und naturnahe Bachbettgestaltung:

Der geradlinige Wörpelauf zwischen Kirchtimke und Westertimke mäandriert wieder! Das Flussbett wurde durch die (Wieder)neuanlage von Mäandern in seiner ehemaligen Krümmungsamplitude weitgehend wiederhergestellt. Auf einer Länge von ca 400 m konnte eine Kiessohle eingebracht und das Profil durch wechselseitig eingebaute Bermen eingeengt werden. In der Folge der Maßnahmen ergeben sich typische Prall- und Gleithangsituationen, unterschiedliche Strömungsverhältnisse sowie Tiefen- und Breitenvarianzen.

Da gute Ideen weite Kreise ziehen, beteiligte sich nicht nur der Bremer Fischereiverein, sondern auch die Naturschutzjugend Hambergen - unterstützt durch viele erwachsene Nabu-Aktive - beim Einbringen des Kieses. Am Giehler Bach möchte der Nabu demnächst ähnliche Maßnahmen durchführen.

Wiederherstellung eines auentypischen Altgewässers:

Nachdem im Mündungsbereich des Wörpe-Quellgewässers „Vieh- und Heidornsbach“ ein kleiner Rest eines Wörpealtarms entdeckt worden war, wurde das ehemalig an dieser Stelle vorhandene Gewässer wiederhergestellt. Nach den Baggerarbeiten soll das Gewässer im Frühling 2009 von Wilstedter Grundschülern gestaltet und bepflanzt werden.

Diplomarbeit Auenwaldentwicklung: Neben den konkret durchgeführten Maßnahmen konnte im Rahmen des Projektes eine Diplomarbeit im Bereich Forstwirtschaft an der FH Göttingen mit dem Thema „Konzept einer Auenwaldentwicklung im Bereich der Oberen Wörpe unter der besonderen Berücksichtigung von Phytophtora“ erarbeitet werden. Aufgrund des immens hohen Wildbestandes in dem Gebiet ist die Umsetzung des Konzeptes kurzfristig jedoch vermutlich nicht möglich.

Umweltbildung

Die Wilstedter Grundschulklassen arbeiten auf ihre ganz eigene Weise an der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinien und der Renaturierung der Wörpe.

Nachdem im Frühsommer 2008 „gemeinsam vor Ort“ mit der Pilotklasse 2c der Wilstedter Grundschule ein Konzept für den Wörpe-Erlebnisbereich erarbeitet worden war, gingen zwei Grundschulklassen im Spätsommer auf Expedition an´s Wasser. Bevor es ins Gelände ging, wurde gemeinsam überlegt, welches die wesentlichen Unterschiede zwischen naturnahen und einem ausgebauten, stark veränderten Fließgewässern sind.

Zuerst wurde das Terrain ausgekundschaftet. Mit nackten Füßen, Gummistiefeln oder mit Wathosen ging es durch die seichten Stellen der Wörpe und schon bald durchlöcherten die Kleinen die Umweltpädagogen mit allerlei Fragen rund um die Wörpe. Wichtigste Devise: Kinder sollen Natur erleben! Freudig überrascht waren wir darüber, dass die Schüler nicht nur Spass an den Wasseraktionen hatten, sondern auch viel über die Tiere und Pflanzen in und um das Wasser wissen wollten. Daher immer dabei: Bestimmungstafeln für Bachflohkrebse, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Libellenlarven, Zwergschwimmkäfer, Wasserschnecken und viele andere Tiere.

Der Wörpe-Erlebnisbereich soll neben dem Natur-Erleben auch das Lernen über die Natur ermöglichen – der GLV hat seine Fläche dafür langfristig zur Verfügung gestellt. Die Klasse legt ein „Wörpe-Tagebuch“ an, in dem die verschiedenen Aktionen festgehalten werden.

Eine spontan initiierte Aktion im November sollte einen großen Fußabdruck hinterlassen … :

Wörpe Baumpflanzaktion WEB
Wörpe Baumpflanzaktion WEB

Wieder mit Gummistiefeln, aber dieses Mal mit Schaufeln statt Keschern ausgerüstet, machten sich Kinder, Lehrer und Eltern auf Einladung der BioS auf, um selbst Hand anzulegen. “An der Wörpe fehlen Bäume! – das war den Kindern schon bei ihren Wasserforschungen im Sommer aufgefallen. Kurz entschlossen stiftete ein örtliches Unternehmen eine große Eiche für den Wörpe-Erlebnisbereich. Mit tatkräftiger Unterstützung von Bürgermeister und GLV wurde der Baum von vielen kleinen Händen in den Boden gebracht.

Unterstützt wurden die Umweltbildungsaktivitäten der BioS durch verschiedene Maßnahmen des FuG:

Aktionen FuG: Kinder besichtigten das Bruthaus des Fischereivereins
Aktionen FuG: Kinder besichtigten das Bruthaus des Fischereivereins
So lernten die Kinder beim Elektrofischen die unterschiedlichen Fische und deren Lebensräume in der Wörpe kennen, besichtigten das Bruthaus des Fischereivereins und übernahmen sogar die Patenschaft für die kleinen Meerforellen.

Öffentlichkeitsarbeit

Mit den Aktivitäten vor Ort sollen nicht nur die Schulen, sondern die gesamte örtliche Bevölkerung, Vereine und Verbände für die Gewässer ihrer Gemeinde interessiert werden.
Deswegen wurden im Laufe des Jahres der Gemeinderat Wilstedt
(Foto Öffentlichkeitsarbeit „Gemeinderat Wilstedt“, der Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im Landkreis Rotenburg, die Jägerschaft Wilstedt, der Heimatverein und die Landfrauen über die Aktivitäten informiert. Dabei ergaben sich zum Teil interessante und viel versprechende Kooperationen. Zu einer Wörpe-Exkursion ins Gelände begab sich eine Gruppe interessierter Bürger trotz strömenden Regens Ende des Sommers im Rahmen der BioS-Veranstaltungsreihe „Wege ins Moor“.

Bei wesentlich besserem Wetter stellte das Projektteam beim „Wümmetag“, einer Fachtagung der Niedersächsischen Naturschutzakademie zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Wümme-Einzugsgebiet, Teile des Projektes im Gelände vor (Fotos Öffentlichkeitsarbeit - Wümmetag).

Darüber hinaus veranstalteten BioS und FuG eine Wörpe-Exkursion mit örtlichen und regionalen Vertretern von Politik und Umweltschutz im Projektgebiet:


Das Projekt findet in der Presse eine gute Resonanz, auch der NDR hat sich bereits vor Ort ein Bild über „Naturschutzmaßnahmen im Winter“ gemacht und über das Projekt berichtet.


Unterwegs zum „guten Zustand“ an der Wörpe

Mit einer bunten Palette von Aktivitäten weckt das „Projektteam Obere Wörpe“ Interesse am Wasser im Wörpe-Einzugsgebiet. Nach dem ersten Projektjahr zeigen sich bereits Erfolge.

Die Wörpe erobert ihr neues Flussbett:

Renaturierter Wörpeabschnitt bei Westertimke im Februar und im August 2009
Renaturierter Wörpeabschnitt bei Westertimke im Februar und im August 2009

Es ist fantastisch, in welcher Geschwindigkeit die Tiere und Pflanzen sich ihren neuen „alten“ Lebensraum wiedererobern. Anfang des Jahres sah der Wörpelauf zwischen Kirchtimke und Westertimke noch aus wie eine Baustelle – nach der (Wieder)neuanlage von Mäandern und dem Einbringen von Kiesbänken schlängelte sich die Wörpe durch „neue“ Ufer aus Kies und sandiger Erde.

Nach weniger als sechs Monaten ist die Gewässerstrecke kaum wieder zu erkennen: Im Wasser wachsen Wasserstern und verschiedene Laichkräuter, in den Flachwasserbereichen haben sich Röhrichtarten wie Aufrechter Igelkolben, Wasser-Minze und Sumpf-Vergißmeinnicht ausgebreitet. Die ursprünglich offene Uferböschung ist inzwischen vollständig von Pionierarten wie Wasserpfeffer und Zweizahn, Hochstauden und Erlenjungwuchs bewachsen.

Dass die neu geschaffenen Lebensräume auch von den Wirbellosen wie Bachflohkrebsen, Eintagsfliegen-, Köcherfliegen und Libellenlarven zügig besiedelt werden, konnte durch Makrozoobenthos-Untersuchungen im Projektgebiet anschaulich nachgewiesen werden.

Die Wilstedter Grundschüler haben bei der Renaturierung mit Hand angelegt

Mit Eimer, Schaufel und Schubkarre versehen beteiligten sich die Kinder daran, den Lebensraum an und in der Wörpe wieder attraktiver zu gestalten. Sie halfen bei der Anlage von Kiesbänken und führten kleine Initialpflanzungen an den offenen Uferböschungen durch. Dabei lernten sie handelnd (oder ganz weg lassen) die typischen Pflanzen und Tiere im und um das Gewässer mit ihren unterschiedlichen Lebensraumansprüchen kennen.

Kommunal- und Kreispolitiker informieren sich:

Neben den Aktivitäten von Naturschutz- und Unterhaltungsverbänden sind für das Erreichen eines guten Gewässerzustands Beiträge von Landwirtschaft, Naturschutzbehörden und Gemeinden besonders wichtig. Umso erfreulicher, dass das Interesse der Kommunal- und Kreispolitik an den durchgeführten und geplanten Renaturierungsmaßnahmen stetig wächst. Nach der Projekt-Vorstellung im Gemeinderat Westertimke sollen die Ziele und Handlungsfelder der WRRL bei einem Ortstermin an der Wörpe genauer erörtert werden.
Der Umweltausschuss des Landkreises Rotenburg hat sich bei einer Wörpe-Exkursion über die Möglichkeiten für weitere sinnvolle Maßnahmen informiert. Der Landkreis erwägt, eine höhere Summe Ersatzgelder für Renaturierungsmaßnahmen in der Wörpeniederung zu verwenden.

Die Wörpe wird aus ihrem Korsett gelassen:

Die steile Uferböschung nach Ziehen der Bongossi-Verschalung
Die steile Uferböschung nach Ziehen der Bongossi-Verschalung

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Gewässer- und Landschaftspflegeverband Teufelsmoor (GLV) konnte im Juli 2009 kurzfristig eine weitere Maßnahme umgesetzt werden: Auf der Höhe von Wilstedt zwischen dem Ostermoor- und dem Dubbengraben wurden die Uferbefestigungen aus Bongossi-Holz und Geotextil gezogen. Das vorher starre Uferbett kann nun durch das Wasser frei geformt werden - der Fluss bekommt wieder Möglichkeit zur eigendynamischen Entwicklung. Der GLV verfügt auf dieser Strecke über einen ausreichend breiten Randstreifen, so dass die landwirtschaftlichen Belange durch die natürliche Entwicklung nicht beeinträchtigt werden.

Projektteam informiert vor Ort über WRRL an der Wörpe:

Mit Unterstützung der „Wörpe-Pilotklasse“ aus Wilstedt macht das Projektteam Wörpe auf der Jubiläumsfeier des Wilstedter Heimatvereins am 6. September 2009 die Flusslandschaft der Wörpe für Groß und Klein durch Aktivitäten erlebbar. Dabei soll die vielfältige Bedeutung des Wassers für uns Menschen und für unsere Landschaft spürbar werden...

Über das Gesamtprojekt, das in Kooperation mit dem Fischerein- und Gewässerschutzverein Lilienthal, der AG der Angelvereine Lauenbrück, Fintel und Westervesede, der Stiftung NordWestNatur und dem BUND Niedersachsen läuft, kann man sich ab sofort auch im Internet über  informieren.

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