Gemeinde Wilstedt

Homepage der Gemeinde Wilstedt anlässlich der 1150-Jahr-Feier im Jahre 2010


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Molkerei-Genossenschaft Wilstedt

von Ernst Hermann Holsten, Hermann Burfeind und Georg Schnackenberg
unter Mitarbeit von Hermann Poppe

Die Wilstedter Molkerei im Jahre 1958
Die Wilstedter Molkerei im Jahre 1958
Die Wilstedter Molkerei im Jahre 1958
Die Wilstedter Molkerei im Jahre 1958
Im Jahre 1900 gründeten mehrere Landwirte, die den „Lauf der Zeit“ erkannt hatten, die Molkerei-Genossenschaft Wilstedt. Insgesamt 161 Landwirte aus Wilstedt, Dipshorn, Buchholz sowie Neuen- und Altenbülstedt traten in die Genossenschaft ein. Zum ersten Vorstand gehörten Kaufmann August Hottendorf als Vorsitzender, Gastwirt Johann Schnackenberg und Landwirt Claus Cordes, alle aus Wilstedt.

In den Aufsichtsrat wurde Gemeindevorsteher Johann Hinrich Meyer als Vorsitzender gewählt. Zu den weiteren Mitgliedern gehörten Mühlenbesitzer Lütje Fittschen, Köthner Johann Hinrich Otten, die Anbauer Heinrich Ficken, Christian Meyer und Johann Heitmann aus Wilstedt, Baumann Diedrich von Salzen aus Dipshorn und der Vollhöfner Peter Blanken aus Altenbülstedt. Nachdem Johann Otten der Genossenschaft ein Baugrundstück verkauft hatte, konnte mit dem Bau der Molkereigebäude begonnen werden. Zuvor hatten Johann Schnackenberg und Lütje Fittschen die Molkereien in Scheeßel und Fintel besichtigt und sich dort Anregungen für den Bau geholt.

Als Betriebsleiter wurde der Molkereifachmann Emil Kähler eingestellt. Am 1. Dezember 1900 waren die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass die neue Molkerei ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die angelieferte Milchmenge betrug anfangs 3500 Liter am Tage. Davon floss der größte Teil, fast 3000 Liter, kostenlos als Magermilch wieder zurück an die Bauern. Für Vollmilch wurde ein Literpreis von 7 Pfennig bezahlt, ein Pfund Butter kostete damals 1,18 Mark.

Ab dem Jahre 1901 belieferten auch die Bauern aus Vorwerk, Tarmstedt und Hepstedt die Wilstedter Molkerei, bis 1904 ebenfalls die Bauern aus Breddorf und Hanstedt. Im Jahre 1903 kamen die Bauern aus Westertimke und Kirchtimke hinzu, von 1906 bis 1910 außerdem Tüschendorf und von 1907 bis 1908 auch noch Seehausen. Die jährliche Milchanlieferung belief sich im Jahre 1914 auf 3 764 115 Liter. Der ausgezahlte Milchpreis betrug 8,83 Pfennig, ein Pfund Butter kostete damals 1,25 Mark. Nach dem ersten Weltkrieg ging die Milchanlieferung stark zurück, 1923 waren es nur noch 975 046 Liter. Die Preise stiegen stetig an und erreichten in diesem Jahr (1923) durch die Inflation ihren Höchststand (ein Liter Milch kostete mehr als 8 Milliarden Mark, ein Pfund Butter mehr als 116 Milliarden Mark).

Milchkannenanlieferung mit dem Pferdewagen um 1930
Milchkannenanlieferung mit dem Pferdewagen um 1930
Milchkannenanlieferung mit dem Pferdewagen um 1930
Milchkannenanlieferung mit dem Pferdewagen um 1930
Im Jahre 1919 kam es zu einer schweren Krise in der Molkereigenossenschaft Wilstedt. Vorstand und Aufsichtsrat legten ihre Ämter wegen Unstimmigkeiten nieder, es gab Überlegungen die Molkerei zu verpachten. Dieser Plan zerschlug sich dann aber. Am 28. Juni 1919 wurde ein neuer Vorstand gewählt. In den Folgejahren haben Vorstand und Aufsichtsrat mehrfach gewechselt.

Am 1. April 1931 übernahm Otto Hildebrandt die Leitung der Molkerei. Inzwischen gehörten 383 Mitglieder der Genossenschaft an. In diesem Jahre wurden 3 963 105 kg Vollmilch für einen Preis von 9 Pf je kg angeliefert. In den Jahren 1933 bis 1939 lieferten auch die Bauern aus Nartum und Winkeldorf ihre Milch nach Wilstedt. Dadurch stieg die Milchmenge ganz erheblich an, auf 7 488 964 kg. Die Bauern erhielten einen Milchpreis von 13,98 Pf.

Die 'Wilstedter Perle' beim Festumzug im Jahre 1960. Auf dem Kutschbock sitzen links: Hans Gefken (Vorwerker Straße 22) und rechts Hermann Junge (Am Bogen 2). Die Familie Junge hat seit dem Jahre 1902 bis zur Einführung der Tankwagen im Jahre 1970 die Milchkannen von den Bauern abgeholt und zur Molkerei gefahren.
Die 'Wilstedter Perle' beim Festumzug im Jahre 1960. Auf dem Kutschbock sitzen links: Hans Gefken (Vorwerker Straße 22) und rechts Hermann Junge (Am Bogen 2). Die Familie Junge hat seit dem Jahre 1902 bis zur Einführung der Tankwagen im Jahre 1970 die Milchkannen von den Bauern abgeholt und zur Molkerei gefahren.
Die 'Wilstedter Perle' beim Festumzug im Jahre 1960. Auf dem Kutschbock sitzen links: Hans Gefken (Vorwerker Straße 22) und rechts Hermann Junge (Am Bogen 2). Die Familie Junge hat seit dem Jahre 1902 bis zur Einführung der Tankwagen im Jahre 1970 die Milchkannen von den Bauern abgeholt und zur Molkerei gefahren.
Die 'Wilstedter Perle' beim Festumzug im Jahre 1960. Auf dem Kutschbock sitzen links: Hans Gefken (Vorwerker Straße 22) und rechts Hermann Junge (Am Bogen 2). Die Familie Junge hat seit dem Jahre 1902 bis zur Einführung der Tankwagen im Jahre 1970 die Milchkannen von den Bauern abgeholt und zur Molkerei gefahren.

Im Jahre 1935 erfolgte ein größerer Umbau. Um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen, wurde der Betrieb mit modernen Maschinen ausgestattet. Diese Modernisierung lockte viele Molkereifachleute aus dem In- und Ausland nach Wilstedt, die sich hier Anregungen für die Modernisierung ihres eigenen Betriebes holen wollten. Die Wilstedter Molkerei erwarb sich mit erstklassigen Qualitätserzeugnissen einen hervorragenden Namen in der Milchwirtschaft.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren ging die Milchanlieferung laufend zurück und erreichte ihren tiefsten Stand mit 2 848 563 kg im Jahre 1948.

Um die Milch noch besser verwerten zu können, wurde das alte Eishaus der Molkerei im Jahre 1948 zu einer modernen Käserei umgebaut und ein Nebengebäude auf dem Grundstück von Nachbar Johann Schnackenberg errichtet.

Etikett der'Wilstedter Perle'
Etikett der'Wilstedter Perle'
Etikett der'Wilstedter Perle'
Etikett der'Wilstedter Perle'

Mit der „Wilstedter Perle“ erzielte ein Camembert Sieger- und Ehrenpreis der DLG-Wanderausstellung im Jahre 1949. Die Wilstedter Molkerei wurde als einzige Molkerei Norddeutschlands ausgezeichnet. Bis 1960 kamen insgesamt 21 Siegerpreise, 17 erste und 12 zweite Preise für qualitativ hervorragende Butter, Sahne und Käse hinzu. Als besondere Auszeichnungen sind die in den Jahren 1955 und 1960 verliehenen Anton-Fehr-Medaillen in Bronze und Silber zu nennen. Im Jahre 1962 wurde die Herstellung der „Wilstedter Perle“ eingestellt. Um auf dem Markt mithalten zu können, hätte die Molkerei Wilstedt ihre Produktion erheblich erweitern müssen. Das war aber aus Kostengründen nicht möglich.

Im Sommer 1951 wurde eine Kartoffeldämpfanlage gebaut, im Herbst in Betrieb genommen und Anfang der siebziger Jahre wieder geschlossen. In der Landwirtschaft hatte inzwischen ein Wandel eingesetzt. Durch die größeren Einheiten und die Spezialisierung der Futtertechnik passte die Kartoffel arbeitswirtschaftlich nicht mehr in den Betriebsablauf.

Im Jahre 1970 ging Molkereidirektor Hildebrandt in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Molkereimeister Hans Hermann Lohse. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Struktur der Molkerei zu ändern und einen Liefervertrag mit der Nordmilch in Zeven abzuschließen. Ab Januar 1970 wurde die Milchverarbeitung in Wilstedt eingestellt. Drei Tankwagen im Eigentum der Molkerei Wilstedt fuhren die Milch zur Nordmilch.

Ein Milchtankwagen holt die Milch ab, hier bei Hermann Cordes
Ein Milchtankwagen holt die Milch ab, hier bei Hermann Cordes
Ein Milchtankwagen holt die Milch ab, hier bei Hermann Cordes
Ein Milchtankwagen holt die Milch ab, hier bei Hermann Cordes
Weil zahlreiche Betriebe aus der Milcherzeugung ausstiegen, musste man sich aus Kostengründen Gedanken über die Zukunft der Molkereistruktur machen. Deshalb kam es im Jahre 1984 zu einer Verschmelzung mit der Molkerei Zeven, und der Betrieb in Wilstedt wurde eingestellt. Auf diese Weise konnte man auch die Sammel-Tankwagen effektiver einsetzen. Nun wurde die Milch nur noch alle zwei Tage abgeholt. Die weitere betriebliche Abwicklung wurde von der Molkerei in Zeven übernommen. Hans Hermann Lohse zog mit seiner Familie in die Betriebsleiterwohnung in der Molkereistraße in Zeven.

Im Jahre 1985 wurde die Molkerei Wilstedt verkauft. Am 31. März 1993 ging Molkereimeister Lohse in den Ruhestand, Hans Stark übernahm am 1. Mai 1993 die Leitung. Ihm folgten Rudolf Prieß am 1. Juli 2002 und Hinrich Kröger am 1. Juni 2008.

Die Molkerei Zeven-Wilstedt ist eine reine Milchliefergenossenschaft mit 46 Lieferanten. Zur Abwicklung der Geschäfte benötigte man jetzt nur noch ein Büro in der Molkereistraße. Als sich die Gelegenheit bot, auf dem Gelände der Nordmilch ein Büro anzumieten, wurde auch die Molkerei Zeven verkauft. Heute ist das Büro Abrechnungsstelle der Liefermolkerei Zeven-Wilstedt.

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