Gemeinde Wilstedt

Homepage der Gemeinde Wilstedt anlässlich der 1150-Jahr-Feier im Jahre 2010


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Neue Seite Das Wilstedter Moor, ein Teil des Teufelsmoores und der Ortsteil „Wilstedtermoor“

von Hermann Burfeind in Zusammenarbeit mit Hermann Poppe

'Taubes Moor'

Der Name Teufelsmoor leitet sich von „doofes Moor“ (taubes Moor) ab. Das Teufelsmoor erstreckt sich über eine Fläche von rund 500 km² und wird westlich von der Wesermünder Geest und östlich von der Zevener Geest begrenzt. Das Teufelsmoor wird entwässert von der Hamme, der Wümme und der Wörpe. Das Wilstedter Moor, an der Wörpe gelegen, ist ein Teil des Teufelsmoores, welches in die Gemarkung Wilstedt hineinreicht und somit direkt an die Zevener Geest grenzt.

Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff

Als im Jahre 1718 die kurhannoversche Regierung die Herzogtümer Bremen und Verden nach 67-jähriger schwedischer und dreijähriger dänischer Herrschaft übernahm, entwickelte sie Pläne, das Teufelsmoor unter staatlicher Lenkung planmäßig zu kultivieren. Mit der bisher “wilden” Nutzung der Moorflächen sollte endgültig Schluss gemacht werden. Mit der Umsetzung der Moorkolonisation wurde Jürgen Christian Findorff beauftragt, nachdem er im Jahre 1771 zum offiziellen Moorkolonisator ernannt worden war.

Entwässerung und Verkehrsnetz

Zunächst wurden im Moor unter schwersten Bedingungen in Handarbeit etliche Gräben und Kanäle angelegt. Sie dienten der Entwässerung und sollten vor Überschwemmungen schützen. Außerdem entstand durch die Kanäle ein gutes Verkehrsnetz, denn Straßen gab es in dem sumpfigen Land noch nicht. Bau und Pflege von Wasserstraßen waren oberste Pflicht für die Kolonisten, und so entstanden unzählige kleine Gräben, aber auch der Hamme-Oste-Kanal (1769-1790) und der Oste-Schwinge-Kanal (ab 1772).

Siedlungen

Blick auf die Dorfstraße und 'Wilstedtermoor' vom Osten
Blick auf die Dorfstraße und 'Wilstedtermoor' vom Osten
Blick auf die Dorfstraße und 'Wilstedtermoor' vom Osten
Blick auf die Dorfstraße und 'Wilstedtermoor' vom Osten

Auf dem entwässerten Land entstanden kleine Siedlungen. Sie sollten einerseits in der Nähe von Wiesen- und Grünland liegen, um den Bauern Viehhaltung zu ermöglichen und andererseits an Schwarz- oder Brauntorfreservoirs grenzen. Die Hofgröße wurde für eine 6-köpfige Familie errechnet und bestand aus insgesamt 50 Morgen Fläche zur Bearbeitung. Doch das Leben der Siedler war sehr entbehrungsreich. Die Viehhaltung gestaltete sich sehr schwierig. Um Geld zu erhalten, konnte man nur den Torf verkaufen, der dann per Torfkahn vor allem nach Bremen gebracht wurde. Zusätzlich musste man noch die auferlegten Pflichten erfüllen: Bau und Instandhaltung von Gräben, Dämmen und Brücken. Obwohl der Torfhandel eigentlich nur als Übergang gedacht war, blieb er für die meisten Moorbauern über Generationen die Haupterwerbsquelle.

Siedler legen Wasserlösen an

Viele Schiffgräben im Teufelsmoor führten für die Torfschiffe keinen ausreichend hohen Wasserstand. Um diesem Übel abzuhelfen, legten die Siedler aus den Moordörfern die so genannten „Wasserlösen“ an. In diesen Gräben floss das Wasser von den Quellen am Geestrand durch die Moorgebiete der Bauern aus Tarmstedt, Wilstedt und Buchholz in die jeweiligen Schiffgräben. Man kann vermuten, dass einige aus den Geestdörfern stammende Siedler die Idee hatten, die ihnen bekannten Quellen zu nutzen. Gräben aus dem Wilstedter Moor führten Wasser in den Schiffgraben der Siedlungen Wilstedtermoor und Eickedorf. Mut und Entsagungsbereitschaft gehörten dazu, sich im Moor anzusiedeln und den schweren Boden zu kultivieren, denn es gab kaum Wege, dafür aber umso mehr Moore, Sümpfe und Wasserflächen. Oft genug erlagen die ersten Moorbauern Krankheiten, dem Hunger oder gaben vor Verzweiflung auf und gingen – zur damaligen Zeit unter schwerster Strafe stehend – in andere Regionen. Noch ist das geflügelte Wort vergangener Zeiten lebendig und klingt in vielen Ohren: „Den Ersten sien Dot, den Tweeten sien Not, den Dritten sien Brot'.

„Wilde“ Ansiedlung im Wilstedter Moor

Die Einfahrt zum Ortsteil 'Wilstedtermoor' aus Richtung Grasberg
Die Einfahrt zum Ortsteil 'Wilstedtermoor' aus Richtung Grasberg
Die Einfahrt zum Ortsteil 'Wilstedtermoor' aus Richtung Grasberg
Die Einfahrt zum Ortsteil 'Wilstedtermoor' aus Richtung Grasberg

Etwa seit Beginn des 18. Jahrhunderts hatten sich von den Geestranddörfern - um ca. 1820 auch von Wilstedt aus - etliche Jungbauern in den Grenzbereichen der Moore angesiedelt, dort eigenmächtig Torfstich betrieben und Moorboden urbar gemacht. Die eigenmächtige und somit „wilde“ Ansiedlung im Wilstedter Moor, in dem sich acht Anbauern ohne Einwilligung des Amtes ansiedelten und ein erbärmliches Dasein führten, sollte aus Sicht der Regierung beseitigt werden. Frische Tatkraft und zähe Ausdauer über Generationen verhalfen den Siedlern jedoch zu einer lebensfähigen Existenz. Im Jahre 1860 wurden in „Wilstedtermoor“, so hieß diese Siedlung, acht Wohnstellen genannt:

Joh. A. Sander (Nr. 87)
Hinrich Kahrs (Nr. 89)
Friedrich Stelter (Nr. 90)
Hinrich Behrens (Nr. 91)
Claus Meyer (Nr. 92)
Albert Brünings (Nr. 93)
Lüer Krentzel (Nr. 94)
Diedrich Bellmann (Nr. 95)
Im Jahre 1871 bestand „Wilstedtermoor“ aus neun Wohnstellen mit 53 Einwohnern. Im Jahre 2010 hat der Ortsteil 72 Einwohner.

Eingemeindung nach Grasberg

Die Entwicklung blieb im Ortsteil „Wilstedtermoor“ nicht stehen. Nach dem 2. Weltkrieg, und hier insbesondere in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs, traten die Frage der Infrastruktur und die Verkehrsanbindung in den Vordergrund. Die schlechte infrastrukturelle Anbindung an den Ort Wilstedt führte in Wilstedtermoor 1974 auf einer Einwohnerversammlung zur Gründung einer Interessengemeinschaft, welche die Aufgabe übernahm, eine Eingemeindung nach Grasberg zu beantragen. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde am 01.07.1976 die Umgemeindung von Wilstedt nach Grasberg vollzogen.

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